schangli

An den Moment, als ich meine erste Kamera als Weihnachtsgeschenk von meinem Götti in Händen hielt, kann ich mich sehr gut erinnern. Nicht etwa weil das für mich ein lange ersehnter Glücksmoment gewesen wäre, der Augenblick blieb in Erinnerung wegen meiner nicht zu verbergenden Enttäuschung angesichts dieses mickrigen schwarzen Kästchens mit vier Blitzwürfeln, einer Filmkassette und, was aus meiner Sicht das Allerschlimmste war, als einziger Einstellmöglichkeit einem Schieberegler mit drei Symbolen für unterschiedliche Lichtsituationen. Sonne, Sonne mit Wolken, Kunstlicht.

 

Dazu muss man wissen, dass ich schon als kleiner Knirps mit der Spiegelreflex hantieren durfte. Der Umgang mit dem Belichtungsmesser, das Zusammenspiel von Blende und Verschlusszeit, belichtete Filme zurück spulen und neue einlegen... die technischen Grundbegriffe der Fotografie waren mir durchaus nicht fremd. Zweifellos führte die Faszination für die Kamera, die Wechselobjektive und das Blitzgerät meines Vaters bei mir zu einer präzisen Vorstellung davon, was einen brauchbaren Fotoapparat ausmacht. Und nichts Anderes hatte ich im Geschenk meines ansonsten sehr patenten Götti erwartet.

 

Die Faszination für die Technik hat sich nach und nach in eine Leidenschaft für Bilder gewandelt. Die sinnliche und haptische Komponente der analogen slow Fotografie fehlen dem digitalen Workflow zwar, die Möglichkeiten, von der Aufnahme bis zum Output alle Schritte nach persönlichem Gusto zu beeinflussen, haben sich dafür vervielfacht. Stimmungen, Farben, Strukturen, Linien, Kompositionen, meine häufigsten Motive finde ich in der freien Natur. Aufgewachsen im Berner Voralpengebiet, nahe an der Sprach- und Kantonsgrenze zum Freiburgischen, sind Hügel, Berge, Wälder und Gewässer auch heute mein bevorzugtes Revier. Die Matterhörner dieser Welt, urbane Zentren oder röhrende Hirsche geraten mir hier eher selten vor die Linse.

 

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